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Kultur
- Name:
Die Untüchtigen
- Ort:
- Uebel & Gefaehrlich
- Datum:
22.09.2010
- Uhrzeit:
20:00 Uhr
- Eintritt:
- tba
- Tickets:
- Hier Tickets kaufen
- Galerien:
- aus dieser Location
-
Die Untüchtigen:
Künstlerpech (Lesung und Konzert)
beschrieben von: Albert Camus, Michail Sostschenko, Thomas
Bernhard, Scott Fitzgerald und andere.
Szenisch gelesen von: Fabian Hinrichs, Ferris MC, Pheline Roggan,
Dennis Moschitto
Abgesang durch: 1000 Robota
Den Künstler bei der Arbeit, also bei der Ausübung seiner Kunst
versagen zu sehen kann zu den Höhepunkten dessen gehören was
die Kunst zu bieten hat, es bedeutet nämlich das sich jemand- also
der Künstler- an die höchstmögliche Fallhöhe heran gewagt hat.
Auf dem schmalen Grad zwischen Gelingen und Scheitern entsteht
jenes sonderbare Flimmern, von dem sich das Publikum so gerne
blenden lässt. Der Abend „Künstlerpech“ erzählt vom Scheitern bei der
Überquerung jenes schmalen Grates.
Einige Beispiele:
Es gibt Momente in der Kunst, da erhält man Beifall, aber alles ist nur ein
Irrtum. In der sowjetischen Provinz zum Beispiel, hatte die Avantgarde nicht
immer einen leichten Stand: „Als letzter sollte der Lyriker auftreten. Er wollte
nicht hinaus. Er schrie buchstäblich und klammerte sich mit beiden Händen
an die Kulissen, doch wir stießen ihn mit vereinten Kräften auf die Bühne.
Das Publikum brüllte und kreischte enthusiastisch. Der Dichter, einer
Ohnmacht nahe, lehnte sich an den Flügel und stand dort, ohne ein
einziges Wort zu sagen, geschlagene fünf Minuten. Dann taumelte er,
öffnete den Mund und kroch mehr tot als lebendig in die Kulissen zurück.
Der Beifall wollte lange nicht verstummen. Alle verlangten ungestüm
eine Wiederholung. Wir hatten uns erschüttert in unsere Garderobe
eingeschlossen...“ (Michail Sostschenko)
Besonders kompliziert wird’s, wenn der Obrigkeit die Darbietung nicht
gefällt: „Ich war mit meinem Text noch nicht zuende gekommen, da war der
Minister mit hochrotem Gesicht aufgesprungen und auf mich zugerannt und
hatte mir irgendein mir unverständliches Schimpfwort an den Kopf geworfen.
Dann war ein Chaos ausgebrochen. Die ganze Meute im Saal, alles Leute,
die von dem Minister abhängig waren, stürzten hinter dem Minister her, aus
dem Audienzsaal hinaus und die breite Freitreppe hinunter. Alle diese hinter
dem Minister herstürzenden Leute stürzten aber nicht hinter dem Minister
her, ohne mir mit den Fäusten gedroht oder wenigstens einen bösen Blick auf
mich geworfen zu haben, der ich anscheinend die Ursache dieser peinlichen
Szene und dieser abrupten Festzertrümmerung gewesen war.“ (Thomas
Bernhard)
Auch Camus und Fitzgerald haben einiges notiert, über das Milieu, in dem
es angeblich zwanglos, unkonventionell, spontan und unverwaltet zugeht.
Das Spektrum reicht vom Elend der Komparsen in den Traumfabriken bis
zum Problem, das ein Künstler hat, wenn er berühmt ist und ihm abverlangt
wird, sich für das Gute und gegen das Falsche zu engagieren. Aber jedes
selbst verschuldete Elend führt immer zu einer Form von Erkenntnis.
Oder um es mit Schlingensief zu sagen: „Scheitern als Chance“.
Kategorie: Kultur Tweet
Künstlerpech (Lesung und Konzert)
beschrieben von: Albert Camus, Michail Sostschenko, Thomas
Bernhard, Scott Fitzgerald und andere.
Szenisch gelesen von: Fabian Hinrichs, Ferris MC, Pheline Roggan,
Dennis Moschitto
Abgesang durch: 1000 Robota
Den Künstler bei der Arbeit, also bei der Ausübung seiner Kunst
versagen zu sehen kann zu den Höhepunkten dessen gehören was
die Kunst zu bieten hat, es bedeutet nämlich das sich jemand- also
der Künstler- an die höchstmögliche Fallhöhe heran gewagt hat.
Auf dem schmalen Grad zwischen Gelingen und Scheitern entsteht
jenes sonderbare Flimmern, von dem sich das Publikum so gerne
blenden lässt. Der Abend „Künstlerpech“ erzählt vom Scheitern bei der
Überquerung jenes schmalen Grates.
Einige Beispiele:
Es gibt Momente in der Kunst, da erhält man Beifall, aber alles ist nur ein
Irrtum. In der sowjetischen Provinz zum Beispiel, hatte die Avantgarde nicht
immer einen leichten Stand: „Als letzter sollte der Lyriker auftreten. Er wollte
nicht hinaus. Er schrie buchstäblich und klammerte sich mit beiden Händen
an die Kulissen, doch wir stießen ihn mit vereinten Kräften auf die Bühne.
Das Publikum brüllte und kreischte enthusiastisch. Der Dichter, einer
Ohnmacht nahe, lehnte sich an den Flügel und stand dort, ohne ein
einziges Wort zu sagen, geschlagene fünf Minuten. Dann taumelte er,
öffnete den Mund und kroch mehr tot als lebendig in die Kulissen zurück.
Der Beifall wollte lange nicht verstummen. Alle verlangten ungestüm
eine Wiederholung. Wir hatten uns erschüttert in unsere Garderobe
eingeschlossen...“ (Michail Sostschenko)
Besonders kompliziert wird’s, wenn der Obrigkeit die Darbietung nicht
gefällt: „Ich war mit meinem Text noch nicht zuende gekommen, da war der
Minister mit hochrotem Gesicht aufgesprungen und auf mich zugerannt und
hatte mir irgendein mir unverständliches Schimpfwort an den Kopf geworfen.
Dann war ein Chaos ausgebrochen. Die ganze Meute im Saal, alles Leute,
die von dem Minister abhängig waren, stürzten hinter dem Minister her, aus
dem Audienzsaal hinaus und die breite Freitreppe hinunter. Alle diese hinter
dem Minister herstürzenden Leute stürzten aber nicht hinter dem Minister
her, ohne mir mit den Fäusten gedroht oder wenigstens einen bösen Blick auf
mich geworfen zu haben, der ich anscheinend die Ursache dieser peinlichen
Szene und dieser abrupten Festzertrümmerung gewesen war.“ (Thomas
Bernhard)
Auch Camus und Fitzgerald haben einiges notiert, über das Milieu, in dem
es angeblich zwanglos, unkonventionell, spontan und unverwaltet zugeht.
Das Spektrum reicht vom Elend der Komparsen in den Traumfabriken bis
zum Problem, das ein Künstler hat, wenn er berühmt ist und ihm abverlangt
wird, sich für das Gute und gegen das Falsche zu engagieren. Aber jedes
selbst verschuldete Elend führt immer zu einer Form von Erkenntnis.
Oder um es mit Schlingensief zu sagen: „Scheitern als Chance“.
Kategorie: Kultur Tweet
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