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Körperkunst mit Risiko

Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU) der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) hat seit 2012 immer wieder Tätowiermittel untersucht. Es wurden sowohl krebserregende aromatische Amine als auch Schwermetalle und allergieauslösende Konservierungsstoffe gefunden.

Institut für Hygiene und Umwelt - Körperkunst mit Risiko - Pressemeldung

In Deutschland sind rund 9 Prozent der Bevölkerung tätowiert, Tendenz steigend. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es bereits 23 Prozent. [1] Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Hygiene und Umwelt in den vergangenen Jahren Tätowiermittel aus Hamburger Tattoo-Studios auf die Einhaltung der nationalen Tätowiermittel-Verordnung kontrolliert.
Bei insgesamt 38 Proben (Anzahl 2012: 18, 2013: 7, 2014: 13) wurden sowohl der Gehalt an aromatischen Aminen als auch der Gehalt an Schwermetallen kontrolliert. 2012 gab es einen positiven Befund bei den aromatischen Aminen und zwei Proben enthielten einen Farbstoff, der für diese Anwendung nicht zugelassenen ist. 2013 fiel eine Probe mit sehr hohem Nickelgehalt auf, die als gesundheitsschädigend beurteilt wurde. 2014 wurden in zwei Farben aromatische Amine nachgewiesen. Dabei handelte es sich um die Amine 2,4-Toluylendiamin und o-Toluidin, die aufgrund ihres krebserregenden Potentials in Tätowiermitteln nicht enthalten sein dürfen. All diese auffälligen Produkte wurden als nicht verkehrsfähig beurteilt und aus dem Handel entfernt.
Im letzten Jahr wurde das Untersuchungsspektrum erweitert und der Einsatz von Konservierungsstoffen in Tätowiermitteln überprüft. In fünf der untersuchten Proben wurde 1,2-Benzisothiazolinon gefunden. Dieser Konservierungsstoff steht im Verdacht, Allergien auszulösen und darf daher in kosmetischen Mitteln nicht eingesetzt werden. Eine gesetzliche Regelung für den Einsatz in Tätowiermitteln gibt es bislang nicht. Es besteht aber die Pflicht, Konservierungsstoffe in der Liste der Bestandteile zu deklarieren. Diese Deklaration fehlte bei einer Probe.
Tätowierfarben sind in Deutschland bisher nicht zulassungspflichtig. Um langfristig ein Zulassungsverfahren für Tätowiermittel entwickeln zu können, empfiehlt das BfR, eine Positivliste von gesundheitlich unbedenklichen Substanzen für Tätowiermittel zu erstellen.[2] Diese Empfehlung wird seitens des HU und der BGV unterstützt. Es würde nicht nur die Kontrolle der Tätowiermittel vereinfachen, Tattoostudios und deren Kunden hätten auch die Option, Produkte mit geprüften Inhaltsstoffen auszuwählen.

Hintergrund [3]
Während früher zur Tätowierung häufig anorganische Pigmente als farbgebende Stoffe verwendet worden sind, werden heute überwiegend organisch-synthetische Farbstoffmoleküle, wie Azopigmente und polyzyklische Verbindungen eingesetzt. Die Azopigmente zeichnen sich vor allem durch ihre Lichtechtheit und Farbbrillanz aus. Viele der verwendeten Farbpigmente wurden eigentlich für industrielle Zwecke gefertigt, zum Beispiel für Autolacke, Druckfarben und Schreibtinte. Für die Anwendung als Tätowiermittel liegt keine gesundheitliche Bewertung vor.
Unter bestimmten Bedingungen, wie zum Beispiel der Wirkung entsprechender Enzyme oder Mikroorganismen in der Haut, kann es zur reduktiven Spaltung der Azobindung in den Farbpigmenten kommen. Es können die so genannten primären aromatischen Amine entstehen. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe sind als krebserregend eingestuft und daher in Produkten wie Textilien, Leder und Fingermalfarben seit längerem verboten.
Seit in Kraft treten der nationalen Tätowiermittel-Verordnung 2009 sind diese abspaltbaren Amine in Deutschland auch in Tätowiermitteln verboten. Darüber hinaus enthält die Tätowiermittel-Verordnung eine Vorgabe, dass Tätowiermittel keine Stoffe enthalten dürfen, die nach der EU-Kosmetik-Verordnung für die Verwendung in kosmetischen Mitteln verboten sind. Neben den kanzerogenen aromatischen Aminen sind in Tätowiermitteln auch Schwermetalle, Konservierungsstoffe und eine Vielzahl an Inhaltsstoffen mit zum Teil unklaren Funktionen wie Hexachlorbenzol, Schellack oder ätherische Öle problematisch. Diese Stoffe müssen kenntlich gemacht werden, unterliegen aber keinen Beschränkungen hinsichtlich der Höchstmenge. Tätowierfarben sind nicht zulassungspflichtig, d.h. allein der Hersteller oder Importeur ist im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht für die gesundheitliche Unbedenklichkeit seiner Produkte bis zum Öffnen der Flasche verantwortlich. Für die Einhaltung der Mindesthaltbarkeit bzw. der Verwendungsdauer nach dem ersten Öffnen und der hygienischen Anwendung und Aufbewahrung ist der Tätowierer selbst verantwortlich.

[1] BfR, Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln, 1. Juni 2013
[2] BfR, Anforderungen für eine Sicherheitsbewertung von Tätowiermitteln, Stellungnahme Nr. 012/2009
[3] Diese Angaben sind großteils Dokumenten des BfR entnommen. Näheres finden Sie beispielsweise unter: http://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-taetowiermitteln.pdf

geschrieben am: 20.02.2015
Redaktion Hamburgparty.de


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